Mittwoch, 14. Juli 2010

http://www.renate-conrad.de/ - die geschichte einer familie


Wenn Vergangenheit Geschichte ist - Eine Familiengeschichte, eingebettet in die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts

Die überarbeitete Fassung als e-book im neuen Gewand




Der Klappentext


Hanna Elisa fliegt gemeinsam mit ihrem Mann in den Mittleren Osten, um ihre Tochter und das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Auf dem langen Flug führen die Gedanken sie in eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen ihres Vaters und ihres Großvaters kennt, verfangen sich in den unruhigen Zeiten ihres eigenen Beginns.
Es begann alles auf einer Hochzeit, als die fröhliche Lilli dem Marinesoldaten Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern. Der ehemalige U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planten voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Tatkraft und Ideenreichtum, Optimismus und Humor prägten ihre Taten, die sie auch die schwierigsten Zeiten überstehen lässt. Hanna Elisa erlebte zwei Welten. Da war Lillis Familie, angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der Unsicheren machte. Von ihm lernte Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubte am Morgen vor dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet lebten Hardys Eltern, unpolitisch und nicht nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel.  Hier erlebte Hanna Elisa Urlaubstage ohne Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum, gemeinsames Musizieren, Toleranz  -  aber auch das Auseinandergehen der langjährigen Gemeinschaften, als der Fernseher seinen Siegeszug antrat.




Leseprobe

Frühling 1997

An manchen Tagen zweifelt Hanna Elisa, ob es ratsam ist in den alten Fotos zu kramen. Oft schmerzte es, die so weit von ihr entfernt lebenden, so nah zu sehen. Das aufgeschlagene Fotoalbum liegt vor ihr auf der Erde und versonnen betrachtet sie die Bilder des Sommers vor einem Jahr und denkt daran, wie sie ihrem Enkel die Bilder der eigenen Kindheit zeigte. Verwundert hatte er sie beim Anblick der Fotos angeschaut ungläubig gefragt,
„Das kleine lockige Mädchen bist du? Nein Oma, das ist nur der Beginn einer neuen Geschichte!“
„Nein, nein, mein Schatz, das ist die Wirklichkeit. Alle Menschen kommen klein zur Welt, werden Jahr für Jahr größer bis sie erwachsen sind und sie sind so unterschiedlich wie die Steine, die wir vor wenigen Tagen zusammen am Strand sammelten. Manche werden dick und klein, andere dünn und groß,  vielleicht auch groß und dick, und denke nur an den Blumenverkäufer in Avila, dann weißt du, kleine dünne Menschen gibt es auch. Einige Menschen sind fröhlich, andere ernst. Es gibt die lieben und die bösen, denen man am besten aus dem Weg geht und die herzensguten, von deren Seite niemand weichen will, weil sich jeder in ihrer Nähe so geborgen fühlt. Da sind noch die stillen Menschen und die, die ständig reden, obwohl sie nichts zu sagen haben und die ignoranten, die tollpatschigen und die geschickten. Nur eins trifft auf jeden Menschen zu, er ist einzigartig und auch dich Noah gibt es nur einmal auf der Erde“.
  Andächtig hörte der Kleine ihr zu, in jeder Hand ein kleines Auto, mit denen er über riesige Phantasiestraßen um sie herum fuhr, immer wieder einen Blick auf ihre Fotos werfend und sie blickte abwechselnd auf das spielende Kind und auf das Foto in ihrem Album.
  Sie sah sich auf der Wiese am Hang sitzen, kleine Blumen in der Hand, fühlte sich in den längst vergessen geglaubten Frühlingstag zurück versetzt. Fragte sich, was davon bin noch ich, -  beeinflussen Erinnerungen und Erfahrungen aus dieser Zeit, in der mir nur Liebe und Zuverlässigkeit begegnete, noch meine heutigen Handlungen?
Zur Zeit der Baumblüte, von der das Foto erzählte, war sie achtzehn Monate alt, einer rundlichen pausbäckigen Puppe ähnlich.  Wie anders sahen die Erwachsenen aus, eingefallene Wangen, schlotternde Anzüge und zu weite Kleider an ausgemergelten Körpern und selbst das glückliche Lachen über die wieder erlangte Freiheit, das Zusammentreffen der Familie an einem herrlichen Frühlingstag, verdrängte die Panik und die Angst über das in der Vergangenheit erlebte nicht aus ihren Augen. 
Der Zeit entsprechend war das Bild schwarzweiß. Verblüfft sah Noah sie an,
„Oma wo hast du die Farben verloren?“
„Nein mein Kind, ich habe sie nicht verloren, sie sind alle noch in meinem Kopf“.
  Unzählige Male besuchte sie bis in die ersten Jahre ihrer Ehe diese Wiese zur Zeit der Obstblüte und sie schilderte dem blonden Jungen an ihrer Seite die Farbenvielfalt, die das kleine Mädchen Jahr für Jahr verzauberte.  Die von ihrer Mutter bereits vor ihrer Geburt gestrickten, mit kleinen bunten Blumen bestickten weißen Wolljacke, den blauen weiten Rock, aus einer alten Marineuniform ihres Vaters genäht, Vorkriegsware, konnte sie sich mit den Geschichten ihrer Entstehung gut ins Gedächtnis rufen. Nachdem sie aus diesen Sachen heraus gewachsen war, wurden sie noch Jahre später von ihren Cousinen getragen. Sie liebte diese Wiese, und beim Blättern in den Fotos schien es ihr, der Duft der Frühlingstage hüllte sie immer noch ein, begleitete sie bis in die Gegenwart, um sie vor den unechten synthetischen Gerüchen einer egoistischen, verlogenen, doppelzüngigen, nur den lauten Äußerlichkeiten, Effekten und Schlagzeilen hinterher jagenden Meute zu schützen, und für einen kostbaren Augenblick verdrängte der zarte Frühlingsduft aus glücklichen Kindertagen die kalte übel riechende Aura der Menschen aus ihrer Nähe, die ohne Rücksicht auf das Erhaltenswerte nur an ihrem Profit interessiert waren, die Stunde für Stunde mehr Raum in der Gesellschaft einnahmen, das Tagesgeschäft bestimmten.
Sie liebte die Frühlingsblumen, die Kirschbäume, den kleinen Bach und das Gefühl der Freiheit, dass sie auch später bei der Erinnerung an diese Ausflüge stets empfand. Das Versprechen wieder kommen zu dürfen, wenn das erste Obst reif war, schenkte ihr Sicherheit und sie sah sich hinter den Erwachsenen den Berg hinauf hüpfen, die mit Leitern und Körben beladen auf dem schmalen steilen Patt liefen, erinnerte sich, wie sie sich wieder und wieder umschaute, ihren Großvater Jakob nachahmend, der oft stehen blieb, um zu verschnaufen und unentwegt feststellte, es gäbe keine schönere Aussicht auf der Welt, als von hier auf den Rhein zu schauen, auf das Siebengebirge mit dem Drachenfels.
„Nirgendwo auf der Welt ist die Landschaft so großartig, nirgendwo ist das Obst so saftig und süß, der Kohl so dick und fest, der Spargel so zart. Ein Segen ist es, dass wir all diese Köstlichkeiten ernten können“. Hanna Elisa glaubte ihm. Denn Jakob  gehörte zu den Erwachsenen, zu denen man als Kind absolutes Vertrauen haben konnte, der alle ihre Fragen beantwortete und der sie mit seinem Tod zum ersten Mal enttäuschte. Als Jakob starb, war Hanna Elisa vierzehn Jahre alt und bereits im Augenblick seines Todes spürte sie, dass er ihr fehlen würde, sein Verständnis, seine Geschichten und sein Weitblick, über den sie sich im nach hinein wunderte. Schließlich war er kaum aus seinem rheinischen Dorf heraus gekommen. Allerdings hatte er seit seinem vierzehnten Lebensjahr für die Reichsbahn, später Bundesbahn, gearbeitet, hatte in der Rotte angefangen und sich zum Stellwerksleiter hochgearbeitet, und wenn sie heute darüber nachdachte, über all die  Züge, denen er hinterher sehen durfte, mit ihnen seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte, war sie  überzeugt, dass ihm diese Arbeit half über den dörflichen Rahmen, in dem er lebte und sich verwurzelt fühlte, hinaus zu denken.
Entschlossen schlug Hanna Elisa das Fotoalbum zu. Aber es gelang ihr nicht in die Gegenwart zurückzukehren. Versonnen blieb sie auf dem Teppich sitzen. Fünf Jahre war es her, dass ihre Tochter Laura das Elternhaus verlassen hatte, um ihren Lebensmittelpunkt in den Mittleren Osten zu verlegen und sieben Monate waren bereits vergangen, dass sie mit Simon und den Kindern durch Felder und Wiesen streiften und während sie auf ihren täglichen Spaziergängen Laura und dem Kind aus den längst vergangenen Tagen erzählte, die sie auch nur durch die unerschöpflichen Geschichten ihres Großvaters kennen gelernt hatte, glaubte sie Jakobs Nähe und seine beschützende Aura zu spüren. Ihr  Herz schlug höher, wenn sie daran dachte, dass Laura den alten Brauch  des Geschichtenerzählens in der Familie weiterführte. Als sie Sven nach Bahrain folgte, Verantwortung für Kinder, Haus und Garten übernahm und in der traditionellen Rolle der Frau lebte, erkannte sie, egal in welches Land der Erde, in welche Kultur, sie durch Svens Beruf noch verschlagen würde, nichts war wichtiger, als den Kindern ein zuverlässiger Ruhepunkt in einem unruhigen Leben zu sein. Diese Einstellung gab ihr die Geduld auf den Zeitpunkt zu warten, an dem die Kinder beginnen würden eigene Wege zu gehen und sie nutzte ihre Kreativität und ihre Talente im häuslichen Bereich, erfand nicht nur zu Noahs Vergnügen phantasievolle Geschichten und originelle Spiele. Nie gingen ihr die Einfälle aus, die alle zum Lachen brachten und vergessen ließen, das man den Pool, den Spielplatz und das Meer, die vor der Haustür lagen, an den unerträglichen Tagen der heißen trockenen Wüstenwinde, die aus Saudi Arabien kamen, nur vom Fenster aus betrachten konnte. In Lauras Obhut verwandelte sich der Tag in einen Traum für Zaubergestalten und alle die ihr zuhörten vergaßen mit Hilfe ihrer Worte Raum und Wirklichkeit und die gut funktionierende Klimaanlage ließ die Besucher die barbarische Hitze, die auch nachts nicht von der Insel wich, unwirklich erscheinen. Es war ihnen bereits entfallen, dass sie erst vor wenigen Stunden bei ihrer Ankunft darüber klagten, das die Hitze und die Luftfeuchtigkeit ihnen fast den Atem nahm. Und während sie am Fenster standen, über das Meer blickten und Lauras Geschichten lauschten, glaubten sie dem unermüdlichen Wind, der verführerisch mit leichtem Säuseln durch die mächtigen Kronen der Palmen wehte, dass er die ersehnte Abkühlung bringen würde. Wenn ein Besucher die Terrassentür öffnete, einen Schritt auf den Rasen trat, um die kühle frische Luft zu spüren, die er durch das Fenster wahrgenommen hatte und statt einmal tief durchzuatmen, erschrocken ins Haus zurück eilte, lachte Laura und während der Besucher seine Arme in dem Glauben betrachtete, entstellende Verbrennungen zu sehen, erzählte sie, dass sie im ersten Jahr ihres Hier seins  zu oft auf die Verführungskünste des Windes hereingefallen sei. Sie verschwieg, dass sie an manchen Tagen Tränen überströmt wieder ins Haus gerannt war, von Sehnsucht nach einem kühlen deutschen Sommer erfüllt. Und der Wind zog ohne Erbarmen weiter über die märchenhafte Insel. Statt Kühle zu bringen, trocknete er in kurzer Zeit die zarten Blüten der Bäume und Sträucher aus, raubte das letzte Tröpfchen Wasser, das sich in einer Baumrinde verborgen hielt und versteckte die Farben der Insel unter einem Schleier aus heißem Sand.








In den Trümmern von Remagen aufgewachsen habe ich mir seit  frühester Kindheit Gedanken zum Krieg gemacht, ob von Staatshäuptern oder Industriellen ausgehend, ob der Krieg sich gegen den Menschen richtet oder gegen die Natur. (die letztendlich immer beide betroffen sind) Die Entwicklung der Waffen spricht nicht von Intelligenz sondern von Verblendung und Selbstverliebtheit. 

Mein Fazit, kein Krieg ohne Religion, Gier, Dummheit, Kurzsichtigkeit, Überheblichkeit. Kein Krieg ohne die Denkweise der Krupps, Thyssen und Quandts.... Auf allen Kontinenten unserer Erde fehlt Geld für Bildung und Nahrung, aber nirgendwo für Waffen. Still und leise wurde während der letzten Fußballweltmeisterschaft die Luftwaffe der Bundeswehr für Milliarden aufgerüstet, vor wenigen Wochen wurden wieder Milliardenbeträge bewilligt. Sind wir bereit wieder zu töten? 
Leid über die Menschheit zu bringen?

Wo bleibt der Aufschrei des Volkes??

Und gleichzeitig wachsen in unserem reichen Land Kinder in Armut auf, hungern, Bildung bleibt ihnen versagt, kein Geld für Kita und Ganztagsschulen. (Ein gebildetes Volk ist nicht manipulierbar) Die unteren Einkommengruppen werden von unseren Machthabern immer höher belastet, läßt die Reichen noch reicher werden. 

Es ist Zeit aufzustehen, aber wer beginnt?






Mittwoch, 8. April 2009

Die Autorin des Buches 'Vom Schneckentöter und anderem Wahnsinn - oder von der Lust zu leben hat einen Ehemann, eine Tochter, einen Schwiegersohn, einen Sohn und eine Schwiegertochter, zwei Enkelsöhne die ihre allerbesten Freunde sind.
Sie lebt mit sechs Katzen, Igel, Frösche, Kröten, Fische, Turm- und Wanderfalken,Eisvogel und Sperlingen und Ehemann in einer fast immer gut gelaunten Wohn- und Lebensgemeinschaft. Humor prägt ihren Alltag. Seid Kindertagen politisch interessiert, 15 Jahre in der Komunalpolitik aktiv, hat sie sich ins Privatleben zurückgezogen. Denn! Sie hat den Eindruck, unsere heutigen Machthaber behandeln uns nicht besser als in der Feudalzeit das gemeine Volk behandelt wurde. Werden wir zu anderem gebraucht als Abgaben zu leisten, den Umsatz anzukurbeln, sprich einzukaufen, und alle paar Jahre einmal wählen zu gehen. Ihr Fazit, da die Regierenden aller Parteien den Bezug zur Wirklichkeit schon lange verloren haben, fühlt sie ich in keiner Partei mehr zuhause.


Donnerstag, 5. März 2009

1952

Und die Reise ist schon Vergangenheit - so schnell geht das





treue Begleiter











Freitag, 20. Februar 2009

Renates neuesten Tierfotos und eine Leseprobe aus ihrem Roman

Der Wächter


Mein Name? Ich heisse Eta und bin ein Dobermann. Ich bin schon mit Luigi und vielen anderen Katzen im Regenbogenland, aber immer noch wache ich über Renate ünd ihre Familie und allen Tieren, die sich um meine Lieben scharren.








Kappentext


Es begann alles auf einer Hochzeit, auf der die fröhliche humorvolle Lilli dem Marinesoldaten Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern.
Mit leisem Humor wird die Geschichte einer Familie erzählt beginnend in der Nachkriegszeit, der fast vergessenen Aufbaujahre, in der die Schrecken der Nazizeit verdrängt werden, aus der Perspektive der in den Trümmern von Remagen geborenen Hanna Elisa.
Der ehemalige U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planen voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Einfühlsam schildert die Autorin wie einst die Vorfahren Hanna Elisas aus vielen Ländern Europas zusammen fanden und sie Dank der Bereitschaft Ihrer Ahnen ungewöhnliche Wege zu gehen geboren werden konnte. Hanna Elisa erlebt zwei Welten. Da ist Lillis Familie, angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der Unsicheren macht. Von ihm lernt Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubt vor dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet leben Hardys Elterns, unpolitisch und nicht nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel. Hier erlebt Hanna Elisa Urlaubstage ohne Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum, gemeinsames musizieren aber auch das Auseinandergehen der langjährigen Gemeinschaften beim Siegeszug des Fernsehers. Am Ende seines Lebens erfährt Hardy, der Zusammenhalt seiner Familie hat ihn stark werden lassen.
Trotz der immer vom Optimismus und Toleranz getragenen Geschichte ist die Kritik an unserer heutigen Gesellschaft, immer, schneller, besser, schöner als mein Gegenüber muss ich sein, gegenwärtig.





Waffen, Gedichte und der Wassermann

An einem regnerischen Tag, ich kam gerade vom Einkauf zurück, erhielt ich von unserer netten Briefzustellerin einen Brief in die Hand gedrückt. Ich legte ihn auf meinen Einkaufskorb, schloß die Haustür auf und schnitt erwartungsvoll den Umschlag auf. Wer schreibt in dieser hektischen Zeit , in der Ära der Emails noch mit der Hand und mit königsblauer Tinte Briefe? Der Absender auf dem Kuvert war verwischt, die Tinte verlaufen und unterzeichnet war er nur mit dem Vornamen. Seit den Glückwünschen zu den Geburten meiner Kinder hat mich nichts mehr so gerührt wie folgende Worte:
" Vom Schneckentöter und anderem Wahnsinn – die Geschichte weckt soviel Emotionen.
Ich habe gelacht, geweint, nachgedacht, nachgespürt.
Soviel Mit-Leben, Mit-fühlen, Verständnis auch für unverständliche Situationen, Auf den Grund gehen, nicht nur Hinnehmen, sondern nach dem großen „Warum“ fragen.
Und nicht anklagen, vorwerfen sondern immer versuchen zu verstehen.
Soviel Liebe und Offenheit, Wärme und unsagbar viel Humor sprühen aus jeder Zeile.
Danke! Danke, dass ich daran teilhaben durfte.
Diese Geschichten haben auch bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt. Manche Dinge, Menschen, Geschehnisse konnte und wollte ich aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Und das ist das Schönste, was ein Buch bewirken kann.
Es hat mich tief gerührt, diese Geschichten lesen zu dürfen. Sie sind so echt, so nah. Jede Person eine ausgeprägte Persönlichkeit mit Ecken, Kanten, Brüchen".






Frühjahr 1954




Mit Beginn des zweiten Schuljahres verließ Herr Müller endgültig den Schuldienst und hoffnungsvoll blickten Lilli und Hardy in die Zukunft, der Schulleiter versprach, dass eine junge Lehrerin die verwaiste Klasse übernehmen würde, die dem Temperament der Kinder gewachsen wäre und den kleinen Persönlichkeiten Verständnis entgegen brächte. Wie groß war die Enttäuschung, als Fräulein Fröhlich von Beginn an absolute Ruhe forderte, keine eigenen Gedanken billigte oder gar Widerspruch duldete und in den ersten Tagen immer wieder von der Großartigkeit ihrer Heimatstadt Bad Neuenahr erzählte und die Bedeutungslosigkeit Remagens herausstellte. Zum Glück besaß Remagen einen Bahnhof und den Abzweig der Bahnlinie, die an der Ahr entlang die Gäste bis nach Bad Neuenahr brachte. Gäbe es diesen Abzweig nicht, kein Mensch würde sich für Remagen interessieren! Die Kinder verstanden diese Reden nicht, rutschten ungeduldig in ihren Bänken hin und her und sahen ungläubig auf die fremde Frau, die ihnen soviel verbieten durfte. Als Hanna ihren Eltern die neuesten Erkenntnisse aus dem Unterricht mitteilte sagte Hardy,
"So ein Quatsch! Ihr sollt rechnen lernen!“
und Lilli erzählte aus ihrer kurzweiligen spannenden Schulzeit und von dem, was sie einst lernte. Gebannt lauschte Hanna Elisa, wenn Lilli aus ihrem Geschichtsunterricht erzählte, von den Römern, die den Rhein herunterzogen, überall Siedlungen anlegten, schon Bäder und Wasserleitungen bauten und die fremdartigen blonden germanischen Jünglinge und Frauen als ihre Sklaven nach Rom mitnahmen. Sogar in Remagen hinterließen sie Spuren ihrer Anwesenheit. Am Appolinarisberg, an der Stelle, an der die Katholiken das Kloster und die Appolinariskirche bauten, beteten die Römer auch schon ihre Götter an, ein Altarstein zu ehren Jupiter, der vor hundert Jahren gefunden wurde, zeugte davon. Wenn Lilli beim Bügeln aus ihrem reichhaltigen Vorrat Gedichte rezitierte, verhielt selbst Till sich ganz still und hörte andächtig zu und wenn sie "Zum Kampf der Wagen und Gesänge" `Die Kraniche des Ibykus` vor sich hersagte, es fehlte die eine oder andere Zeile, aber das beanstandete niemand, sahen die Kinder die Lilli, die als Schulmädchen vor der Klasse stand, um mit glänzenden Augen voll Hingabe ein Gedicht aufzusagen und Till und Hanna Elisa wünschten sich ihre Mutter immer so nah.
Die Geschichte von Max und Moritz und von Witwe Bolte gehörte auch zu den "Bügelgeschichten", die lernte Lilli freiwillig, nicht in der Schule. Hardy liebte Ringelnatz, als ehemaliger Mariner fühlte er sich ihm verbunden, und amüsierte sich königlich beim Lesen der Verse von Eugen Roth. Wenn er "Ein Mensch und das geschieht nicht oft " begann, dann sprang Lilli ein "bekommt Besuch ganz unverhofft", denn Hardy behielt immer nur die erste Zeile eines Gedichtes in seinem Gedächtnis. Nur wenn Lilli sang, dann riefen die drei "Lieber nicht", das überschritt die Geduld der kleinen Familie. Da waren sie sich einig, " Lilli singt zu schrill".
In ihren Mädchenjahren an vielen Abenden mit den Arbeitskolleginnen in Bonn in die Oper gegangen, vermisste sie diese Abwechslung. Was blieb, war in Erinnerung an die herrlichen Stunden die unvergesslichen Lieder am Sonntag Morgen beim Kochen zu singen, wenn Hardy mit den Kindern zum Frühschoppen ging und sie ohne Zuschauer und Zuhörer ganz alleine in der Küche herum werkelte. Nur Kater Willi leistete ihr Gesellschaft und strich liebevoll um ihre Beine.
Hardy arbeitete viel und in den wenigen Stunden seiner Freizeit bastelte er häufig mit Gabriel an Motorrädern und Motoren. An manchen Tagen fand er nicht das Verständnis seiner Ehefrau und es kam zu unerfreulichen Auseinandersetzungen, die oft damit endeten, dass Hardy sich auf sein Motorrad schwang und grußlos davon sauste. Ein beliebtes Ziel dieser Flucht vor der häuslichen Reiberei und den sich immer wieder ähnelnden Wortgefechten war des öfteren das Franziskanerkloster.
Während seiner handwerklichen Arbeit im Kloster lernte Hardy Bruder Valentin kennen, einen ehemaligen Konstrukteur von Flugzeugmotoren, ein Waffennarr und Weinkenner, der nach den im Krieg erlebten Grausamkeiten das Vergessen in der Abgeschiedenheit eines Klosters suchte. Das Gebet vermochte die Leidenschaft zur Technik nicht zu löschen und in Hardy fand er den Gleichgesinnten, den Technik-Gläubigen, den er innerhalb der Klostermauern vergebens suchte. Es dauerte nicht lange und die beiden wurden Freunde.
Etliche Male bekam Hardy wertvolle Ratschläge, wenn er bei der Reparatur schadhafter Motoren alter Maschinen am Ende seiner Kenntnisse anlangte, die Ersatzteile nirgendwo erhältlich waren. Bruder Valentin kannte Möglichkeiten und Kniffe die meisten Hürden zu überwinden. Wenn nach langem Tüfteln der Motor gleichmäßig sanft surrte, war ihm das der schönste Dank und er hätte beinahe seinen Glauben an die Menschen, die so viele faszinierende und nutzbringende Dinge herstellen konnten, fast wieder zurück gewonnen.
Es gab Augenblicke, da sehnte er sich in die Freiheit zurück, wünschte, er könnte wie in der Zeit vor Beginn des Tausendjährigen Reichs frei aller Fesseln und Verantwortung mit seinem Motorrad kreuz und quer durch Europa fahren und wusste doch, er konnte in ihr nicht mehr bestehen. Die Gedanken an die todbringenden Techniken, an deren Entwicklung er in zu großem Maße beteiligt war, verschlugen ihm den Atem, raubten ihm den Schlaf und würden sein Gewissen bis zu seinem Lebensende quälen.
Eines Abends, Hardy und Bruder Valentin hatten wieder ein Problem trotz Materialknappheit meisterhaft gelöst, saßen sie zum Ausklang des Tages in überschwänglicher Stimmung bei einer Flasche Wein im Klosterkeller zusammen und in der heimeligen Atmosphäre des mittelalterlichen Gewölbes, von der Welt und Ihren Problemen durch die dicken undurchdringlichen Mauern abgeschottet, erzählte Bruder Valentin wehmütig von seinen Abenteuern vergangener Zeiten und während die Worte ohne sein Zutun über seine Lippen kamen strebte zaghaft wie eine keimende Sonnenblume der schon lange unterdrückte Wunsch noch einmal aus der Enge der Klostermauern auszubrechen aus einem verborgenen Winkel seines Herzens, nahm in seinen Gedanken konkrete Formen an und Valentin sprach endlich aus, dass er trotz des Verbotes durch den Orden ein letztes Mal mit einem Motorrad durch Deutschlands Straßen fahren, das Dröhnen des Motors spüren, den Wind fühlen und die Landschaften im Sonnenschein sehen wollte. Wer konnte für diesen Wunsch mehr Verständnis haben als Hardy?
So entstand in dieser Nacht die Idee, die Motorradausfahrt möglich zu machen.
Die Maschine war schnell besorgt, denn Gabriel zeigte sich sofort bereit sein Motorrad zur Verfügung zu stellen und brach in schallendes Gelächter aus, als er sich vorstellte, wie Bruder Valentin mit wehender Kutte auf große Fahrt ging. Erst da erkannten Valentin und Hardy, die nötige Kleidung fehlte, sie musste noch beschafft werden. Gabriels Montur war zu klein und ein Fremder sollte nicht in das Vorhaben eingeweiht werden. Was tun? Die rettende Idee kam Hardy beim ..........


Demnächst auch als e-book